Ein Platz an der Sonne oder: Wilhelm, das „Großmaul”



In Ber­lin hat man mit Ser­bi­en und dem Bal­kan eigent­lich nichts am Hut, sei­ne Majes­tät, der 55-Jäh­ri­ge Kai­ser Wil­helm II — auch „Wil­helm das Großmaul”´genannt — sucht den “Platz an der Son­ne” in Über­see.
Trotz­dem gibt es für ihn und sei­ne Entou­ra­ge gute Grün­de, war­um die Deut­schen auf die Ermor­dung des öster­rei­chisch-unga­ri­schen Thron­fol­ger­paars mit einem “Denk­zet­tel für Ser­bi­en” ant­wor­ten sol­len.

Kaiser Wilhelm II zwischen 1910 und 1914, E. Bieber, Hofphotograph, Library of Congress, Prints and Photographs Division, Washington, D.C. 20540 US
Kai­ser Wil­helm II zwi­schen 1910 und 1914, E. Bie­ber, Hof­pho­to­graph, Libra­ry of Con­gress, Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on, Washing­ton, D.C. 20540 US

Es wäre bes­ser gewe­sen, Du wärest nie gebo­ren wor­den“, soll ihm sei­ne Mut­ter Vic­to­ria, die ältes­te Toch­ter der legen­dä­ren bri­ti­schen Queen Vic­to­ria, an den Kopf gewor­fen haben.

Ob die­ser müt­ter­li­che Wut­aus­bruch tat­säch­lich so statt­ge­fun­den hat, ist his­to­risch nicht ein­deu­tig belegt, aber eine glück­li­che Kind­heit hat­te Kai­ser Wil­helm II, in spä­te­ren Jah­ren auch „Wil­helm das Groß­maul“ genannt, mit Sicher­heit nicht.

Sein per­sön­li­cher Kampf seit Kin­der­ta­gen galt aber weni­ger sei­ner Mut­ter, son­dern vor allem sei­nem ver­kürz­ten lin­ken Arm.
Der spiel­te ver­mut­lich eine wesent­li­che Rol­le für den wei­te­ren Lauf der Geschich­te.

Kaiser Wilhelms II Mutter Victoria: „Victoria Princess Royal , 1857“ von Franz Xaver Winterhalter, Gemeinfrei
Kai­ser Wil­helms II Mut­ter Vic­to­ria: „Vic­to­ria Princess Roy­al , 1857“ von Franz Xaver Win­ter­hal­ter, Gemein­frei

Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Wil­helms Arm ist von Geburt an zu kurz und zu unbe­weg­lich gera­ten.
Der behin­der­te Arm ist ver­mut­lich die Fol­ge eines Geburts­feh­lers, der ver­hin­dert wor­den wäre, hät­te sich der behan­deln­de Arzt getraut, wäh­rend der Nie­der­kunft Wil­helms Mut­ter unter die Röcke zu schau­en.

Das tat er — ganz Zeit­geist — nicht.
Statt­des­sen muss­te er sich durch eine schwie­ri­ge Geburt mit einem gro­ßen und falsch plat­zier­ten Baby hin­durch­tas­ten. Der klei­ne Thron­fol­ger über­lebt die Geburt, aber der lin­ke Arm ist in Mit­lei­den­schaft gezo­gen und bleibt es auch.

Es wird alles ver­sucht, um den unglück­se­li­ge Arm mit diver­sen schmerz­haf­ten Pro­ze­du­ren wie Streck­ver­bän­den, Strom­stö­ßen oder auch „ani­ma­li­schen“ Bädern in Hasen­blut zu kurie­ren, durch­schla­gen­de Erfol­ge blei­ben aus.

Wil­helm bringt Schmer­zen und Maß­nah­men fast trä­nen­los hin­ter sich, doch der Arm bleibt zu kurz, und der zukünf­ti­ge Kai­ser ent­wi­ckelt sich zu einem Mann, bei dem man aus heu­ti­ger Sicht ver­mut­lich eine gestör­te Per­sön­lich­keit dia­gnos­ti­zie­ren wür­de.

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Zwi­schen Hasen­blut­bä­dern, Elek­tro­schocks und dem Beginn der moder­nen Medi­zin
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Ob es nun der Arm, die Mut­ter oder sein Natu­rell war: Wil­helm wird zu einem Herr­scher, der zu Beginn des kri­sen­ge­schüt­tel­ten 20. Jahr­hun­derts ein­fach der fal­sche Mann am fal­schen Platz ist.

Mehr­ma­li­ger Kos­tüm­wech­sel pro Tag – vor allem jede Art von Uni­form stan­den hoch im Kurs. Pomp, Eitel­keit und das krampf­haf­te Ver­ste­cken des behin­der­ten Armes mögen in sei­ner Posi­ti­on durch­aus erklär­bar sein.

Sei­ne Groß­mäu­lig­keit dage­gen, ver­bun­den mit sei­ner unbe­darf­ten Un-Infor­miert­heit waren für den Kai­ser eines der fort­schritt­lichs­ten Län­der der Erde aber eigent­lich ein „No-Go“.

Und tat­säch­lich ver­such­ten deut­sche Poli­ti­ker und Mili­tärs ihren Mon­ar­chen soweit es ging aus der Tages­po­li­tik her­aus­zu­hal­ten.
Wil­helms Lau­nen waren gefürch­tet, er han­del­te unüber­legt und undi­plo­ma­tisch. Vor allem aber glänz­te er damit, dass er von den Din­gen, über die er ent­schei­den soll­te, meis­tens kei­ne Ahnung hat­te.

War „Wil­helm Zwo“ also nur ein Ope­ret­ten-Kai­ser?

Wilhelm, das Großmaul

Wil­helm war vor allem eines: der fal­sche Mann zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort. Ein Ope­ret­ten-Kai­ser war er mit Sicher­heit nicht.
Denn natür­lich such­te er sich als Kai­ser sei­ne mili­tä­ri­schen und poli­ti­schen Bera­ter ein­schließ­lich sei­nes jewei­li­gen Kanz­lers aus.

Wer etwas vom Kai­ser woll­te, brach mit ihm nach dem Mit­tag­essen zu einem aus­ge­dehn­ten Wald­spa­zier­gang auf, um mit ihm zu plau­dern.

Traf man beim Spa­zier­gang den rich­ti­gen Ton, traf der Kai­ser anschlie­ßend die „rich­ti­ge“ Ent­schei­dung.
Lob­by­is­mus zu Kai­sers Zei­ten — denn Wil­helms Ent­schei­dun­gen zähl­ten, auch wenn das Par­la­ment immer­hin noch eine Hand auf’s Finan­zi­el­le hat­te.

Sehr ger­ne gab Wil­helm aber auch den abso­lu­tis­ti­schen Allein­herr­scher, der vor allem mit unbe­darf­tem Reden­schwin­gen Volk und Vater­land gehö­rig in die Bre­douil­le brach­te.

Wil­helms soge­nann­te Hun­nen­re­de ist als Nega­tiv­bei­spiel bekannt, von sei­nen Zeit­ge­nos­sen wur­de aller­dings die soge­nann­ten „Dai­ly Tele­graph-Affä­re“ aus dem Jahr 1908, einem unkon­trol­liert frei­ge­ge­be­nen Inter­view für die bri­ti­sche Zei­tung Dai­ly Tele­graph, als wesent­lich unan­ge­neh­mer emp­fun­den.

In die­sem Inter­view hat­te sich Wil­helm zum ein­zig wah­ren Freund Eng­lands im ansons­ten anti-bri­tisch gesinn­ten Deut­schen Reich erklärt und behaup­tet, er habe sei­ner Groß­mutter Queen Vic­to­ria wich­ti­ge Tipps im Buren­krieg gege­ben, die den Bri­ten letzt­end­lich zum Sieg ver­hol­fen hät­ten.

Tipps und Tricks für’s  Regie­ren vom deut­schen Kai­ser für das Empi­re, einem Reich, in dem zur dama­li­gen Zeit die Son­nen tat­säch­lich nie unter­ging?

Die Bri­ten waren not amu­sed, nah­men des Kai­sers Behaup­tun­gen aber erstaun­lich gelas­sen hin. Auch wenn sie sich weder damals noch heu­te ger­ne sagen las­sen, dass sie angeb­lich nur wegen deut­scher Emp­feh­lun­gen erfolg­reich sind.

Wil­helm Groß­maul eben.

Queen Victoria (1819 - 1901) anlässlich ihres Thronjubiläums 1887
Queen Vic­to­ria (1819 — 1901) anläss­lich ihres Thron­ju­bi­lä­ums 1887

Im deut­schen Kai­ser­reich wur­de das Inter­view zur Affä­re: Nach einer hit­zi­gen Debat­te im Reichs­tag for­der­ten alle Abge­ord­ne­ten ein­schließ­lich der kai­ser­treu­en Kon­ser­va­ti­ven, der Kai­ser möge sich zukünf­tig in sei­nen Äuße­run­gen etwas zurück­neh­men.

Das wilhelminische Deutschland

Die „wil­hel­mi­ni­sche“ Epo­che in Deutsch­land war das Spie­gel­bild eines Kai­sers, der offen­bar nur die See­len­zu­stän­de „him­mel­hoch jauch­zend“ oder „zu Tode betrübt“ kann­te.
Wil­helms Regent­schaft ist einer­seits geprägt von einem bis dahin nie gekann­ten Fort­schritt in den Berei­chen Tech­nik, Ver­kehr und Medi­zin.

Doch auf der Schat­ten­sei­te der boo­men­den Wirt­schaft ent­stand als neue Bevöl­ke­rungs­schicht das Pro­le­ta­ri­at; Indus­trie­ar­bei­ter und Zechenk­um­pel, die ihre Arbeits­kraft, ihre Gesund­heit und oft genug ihr Leben geben, um die Schif­fe und Waf­fen zu bau­en, die der Kai­ser braucht, oder den „Treib­stoff“ des Booms – die Koh­le – zu för­dern.

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Wäh­rend sich in Wien, Ber­lin, Paris, und Lon­don wohl­ha­ben­de Bür­ger und Aris­to­kra­ten über Kunst, Kul­tur und – in ihren Augen merk­wür­di­ge – neue Ide­en wie etwa das Frau­en­wahl­recht die Köp­fe heiß reden, erschre­cken euro­pa­weit Sozia­lis­ten und Kom­mu­nis­ten die Mon­ar­chi­en und ihre Gefol­ge.

In einer Zeit, in der das Mot­to „Jeder ist sei­nes Glü­ckes Schmied“ zum geflü­gel­ten Wort wird, sind Elend und Armut ein sozia­ler Makel. Charles Dar­wins Evo­lu­ti­ons­theo­rie “sur­vi­val if the fit­test” wird gründ­lich miss­ver­stan­den und umin­ter­pre­tiert.

Es ist die Hoch-Zeit sozi­al­dar­wi­nis­ti­schen Gedan­ken­guts.
Für die, die im Elend leben — Fabrik- und Zechen­ar­bei­ter und ihre Fami­li­en, aber auch Afri­ka­ner und Asia­ten, die kolo­nia­li­siert und “zivi­li­siert” wer­den, — bedeu­tet das nichts ande­res als „selbst schuld“ am eige­nen Elend.

„Familie um 1900“ von Original uploader was St.Krekeler at de. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons
„Fami­lie um 1900“ von Ori­gi­nal uploa­der was St.Krekeler at de. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons

Die Bevöl­ke­rung wächst in Wil­helms Ära dank des medi­zi­ni­schen Fort­schritts rasant, die Zahl der Arbeits­plät­ze kann zunächst nicht damit Schritt hal­ten.
In den Städ­ten und Indus­trie­ge­bie­ten leben um 1900 min­des­tens 50 bis 60 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in Schmutz, Elend und immer am Ran­de des Hun­gers. 

Aus die­ser Unter­schicht rekru­tiert sich ab Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die neue gesell­schaft­li­che Klas­se des Indus­trie­pro­le­ta­ri­ats.

Aus der Unzu­frie­den­heit mit ihren erbärm­li­chen Lebens­be­din­gun­gen wächst der Wider­stand gegen täg­lich zehn, zwölf oder mehr Stun­den Schuf­te­rei für einen Hun­ger­lohn in dre­cki­gen, lau­ten und oft gefähr­li­chen Fabri­ken oder Berg­wer­ken.

Ein Gespenst geht um in Euro­pa – das Gespenst des Kom­mu­nis­mus“ (der ers­te Satz des „Mani­fest der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei“, von Karl Marx und Fried­rich Engels, erschie­nen 1848).

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Es gibt zwar ein paar halb­her­zi­ge Ver­su­che, die Situa­ti­on der ver­elen­de­ten Mas­sen zu ver­bes­sern, um sie wie­der fried­lich zu stim­men (die Idee der Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rung stammt von Bis­marck); im Gro­ßen und Gan­zen ver­sucht man aber in allen Staa­ten Euro­pas das Pro­blem mit den auf­müp­fi­gen Unter­ta­nen durch Repres­sio­nen zu lösen.

Als Alter­na­ti­ve kommt für vie­le auch ein Krieg als reinigen­des Gewit­ter infra­ge. Krieg als “Vater aller Din­ge” und fina­le Lösung schwe­len­der Kon­flik­te — von vie­len wird er mehr und mehr her­bei­sehnt.

Es ist kein Zufall, dass in der wil­hel­mi­ni­schen Zeit uni­form­ähn­li­che Matro­sen­an­zü­ge und -klei­der für Kin­der in Mode kom­men.

Ein Platz an der Sonne

Sozi­al­dar­wi­nis­tisch wird in jener Zeit nicht nur nach innen, son­dern auch nach außen gedacht.
Es ist nicht nur das Deut­sche Kai­ser­reich, das sei­nen „Platz an der Son­ne“ fin­den möch­te, es sind alle Euro­pä­er, die bei dem Spiel „grö­ßer, schnel­ler, wei­ter“ mit­spie­len.

Allen vor­an Eng­land – Groß­bri­tan­ni­en –, das sich mit sei­ner Insel­la­ge und der dafür not­wen­di­gen Schiffs­flot­te ein Kolo­ni­al­reich auf­ge­baut hat, in dem die Son­ne nie­mals unter­geht.

Hochrufe anlässlich des Geburtstags Kaiser Wilhelm II., 27. Januar 1901, Carl Hohl. Bundesarchiv Bild 163-161, Kamerun, Duala, Polizeitruppe“ von Bundesarchiv, Bild 163-161 / CC-BY-SA 3.0
Hoch­ru­fe anläss­lich des Geburts­tags Kai­ser Wil­helm II., 27. Janu­ar 1901, Carl Hohl. Bun­des­ar­chiv Bild 163–161, Kame­run, Dua­la, Poli­zei­trup­pe“ von Bun­des­ar­chiv, Bild 163–161 / CC-BY-SA 3.0

Im deut­schen Kai­ser­reich steht dage­gen der vie­le Jah­re alles beherr­schen­de Reichs­kanz­ler Bis­marck mit sei­ner Ansicht, dass sich Deutsch­land kei­ne ver­wund­ba­ren Punk­te in fer­nen Welt­tei­len“ leis­ten dür­fe, auf der Brem­se.

Bis­marcks Augen­merk liegt auf einer aus­ge­feil­ten inner­eu­ro­päi­schen Bünd­nis­po­li­tik, denn die „ein­ge­kes­sel­te“ Lage Deutsch­lands in der Mit­te Euro­pas und damit die Gefahr eines Zwei- oder sogar Mehr­fron­ten­krie­ges sind ihm sehr bewusst.

Als er sich ab 1884 doch noch umori­en­tiert, ist es reich­lich spät – die ande­ren sind alle schon längst unter­wegs und haben sich in Über­see die Filet­stü­cke gesi­chert.
Und als schließ­lich der 29jährige schnei­di­ge „Wil­helm Zwo“ den Groß­va­ter und kur­ze Zeit spä­ter auch sei­nen Vater beerbt und Kai­ser wird (das „Drei­kai­ser­jahr“ 1888), sind die Tage des über 70jährigen Dau­er­kanz­lers eben­falls gezählt.

1890 muss der Lot­se von Bord gehen, Wil­helm Zwo schickt den alten Dau­er­kanz­ler der Deut­schen in den Ruhe­stand.

Spät waren sie dran, die Deut­schen.
Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Spa­ni­en und Por­tu­gal hat­ten sich vie­le Sah­ne­stück­chen auf der Land­kar­te schon längst unter den Nagel geris­sen, aber mit Wil­helm an der Macht soll­te das deut­sche Kai­ser­reich nun mit aller Macht auch Kolo­ni­al­macht wer­den.
Man begann, in Über­see alles zusam­men­zu­raf­fen, was noch übrig und erreich­bar war.

Die ver­spä­te­te Ein­kaufs­tour ver­lief wie zu erwar­ten nicht ohne außen­po­li­ti­sche Kol­la­te­ral­schä­den:
Durch Auf­rüs­tung, Mili­ta­ris­mus und einer außer­or­dent­lich unge­schick­ten Diplo­ma­tie zer­schlug man Stück für Stück die von Reichs­kanz­ler Bis­marck sorg­sam aus­ba­lan­cier­te euro­päi­sche Bünd­nis­po­li­tik und ver­grätz­te einen euro­päi­schen Nach­barn nach dem ande­ren.

Doch im all­ge­mei­nen Kli­ma der Groß­manns­sucht schenk­te man dem Man­gel an Bünd­nis­part­nern und der ste­tig wach­sen­den Zahl von unfreund­lich gesinn­ten Nach­barn wenig Beach­tung (Viel Feind, viel Ehr”), immer­hin hat­te man ja noch Öster­reich-Ungarn, das Rie­sen­reich der Habs­bur­ger, an sei­ner Sei­te.

Kopf­zer­bre­chen berei­te­ten eher die „Sozia­lis­ten“.

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Wie ‘Schlaf­wand­ler’ steu­ern die Mäch­ti­gen Euro­pas auf die Kata­stro­phe 1914 zu.
Chris­to­pher Clark, Geschichts­pro­fes­sor aus Cam­bridge, über die Vor­ge­schich­te des 1. Welt­krie­ges: 900 Sei­ten, die völ­lig zurecht zum Best­sel­ler gewor­den sind. Sehr lesens­wert!

Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*, Pan­the­on Ver­lag, Ver­lags­grup­pe Ran­dom House GmbH, 2015


Der Kaiser, das Volk und ein Reich patriotischer Flottenliebhaber

Wer einen Platz an der Son­ne haben und Groß­macht wer­den möch­te, braucht Schif­fe.
Und die hat das Kai­ser­reich nicht, geschwei­ge denn Werf­ten, die sol­che Schif­fe hät­ten bau­en oder auch nur repa­rie­ren kön­nen: Benö­tig­te eines der Kriegs­schif­fe sei­ner Majes­tät – ein paar ält­li­che Pan­zer­schif­fe, die im Win­ter vor­sichts­hal­ber im Hafen blie­ben, – eine Werft zum Kes­sel­fli­cken, so muss­te es das eng­li­sche Ports­mouth anlau­fen.

Das ändert Wil­helm II gründ­lich.
Im Jahr 1891 lernt er den Mari­ne­of­fi­zier Alfred von Tir­pitz ken­nen – den „bösen Geis­te der deut­schen Außen­po­li­tik“, wie ihn His­to­ri­ker nen­nen –, und die­ser hat ganz erstaun­li­che Ide­en, die dem Kai­ser außer­or­dent­lich gut gefal­len.

In den kom­men­den 20 Jah­ren peit­schen der Kai­ser und sein Admi­ral meh­re­re Rüs­tungs­pro­gram­me durch den Reichs­tag, der den kai­ser­li­chen Schiffs­plä­nen zunächst sehr skep­tisch gegen­über steht, die benö­tig­ten Finanz­mit­tel aber trotz­dem bewil­ligt.

Der Kai­ser bekam sei­ne Schif­fe, und auf­merk­sa­men Beob­ach­tern wird nach und nach klar gewor­den sein, dass die­se Flot­te viel zu groß war, um nur die deut­schen Kolo­ni­en zu schüt­zen.
Zunächst pro­fi­tie­ren aber alle, die Han­dels­ma­ri­ne und die deut­sche Wirt­schaft, denn mit den Werf­ten für Groß­schif­fe ent­steht ein völ­lig neu­er Indus­trie­zweig im boo­men­den Deut­schen Kai­ser­reich.

1895 wird der Kai­ser-Wil­helm-Kanal (Nord­ost­see­ka­nal) ein­ge­weiht, der die Weg­stre­cke zwi­schen Nord- und Ost­see um 85 Pro­zent für Han­dels- und Kriegs­schif­fe glei­cher­ma­ßen ver­kürzt.

Ein wei­te­rer posi­ti­ver Neben­ef­fekt der Auf­rüs­tung ist, dass Wil­helms Schiffs-Enthu­si­as­mus anste­ckend wirkt; unab­hän­gig von Her­kunft oder Klas­sen­zu­ge­hö­rig­keit wer­den die Deut­schen stol­ze und patrio­ti­sche Flot­ten­lieb­ha­ber, die loy­al zu Kai­ser und Vater­land (und sei­nen Schif­fen) ste­hen.

Die Kriegs­ma­ri­ne wird zum klas­sen­über­grei­fen­den sozia­len Schmier­mit­tel der Gesell­schaft.

Gott strafe England”

Die, denen die Plä­ne des kai­ser­li­chen Admi­rals Tir­pitz eigent­lich von vor­ne­her­ein gal­ten, beob­ach­te­ten die Ent­wick­lun­gen im deut­schen Kai­ser­reich sehr genau.

Bis etwa ins Jahr 1905 wur­den Deutsch­lands Flot­ten-Anstren­gun­gen, sei­ne kolo­nia­len Träu­me und das all­jähr­lich statt­fin­den­de „Kai­ser­ma­nö­ver“ (am liebs­ten bei „Kai­ser­wet­ter“) von den Bri­ten mil­de belä­chelt.

Doch der Ton wird rau­er und die ent­spre­chen­de bri­ti­sche Reak­ti­on bleibt nicht aus.
1906 sticht in Eng­land das ers­te Schiff der „Dre­ad­nought“-Klas­se (frei über­setzt etwa „Fürch­te­nichts“) in See, ein völ­lig neu­es Schlacht­schiff mit über­le­ge­ner Pan­ze­rung und Bewaff­nung.

Die “Dreadnought” (frei übersetzt: Fürchtenichts) war ein revolutionär neues Schlachtschiff , das sowohl in Panzerung wie auch in Bewaffnung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Das erste Schiff dieser Art sticht 1906 in England in See. „HMS Dreadnought 1906“ von not stated - US Navy Historical Center Photo # NH 63367. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons
Die “Dre­ad­nought” (frei über­setzt: Fürch­te­nichts) war ein revo­lu­tio­när neu­es Schlacht­schiff , das sowohl in Pan­ze­rung wie auch in Bewaff­nung alles bis­her Dage­we­se­ne in den Schat­ten stellt. Das ers­te Schiff die­ser Art sticht 1906 in Eng­land in See. „HMS Dre­ad­nought 1906“ von not sta­ted — US Navy His­to­ri­cal Cen­ter Pho­to # NH 63367. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons

Nach dem Sta­pel­lauf der ers­ten „Dre­ad­nought“ hat­ten der Kai­ser und sein Admi­ral Tir­pitz das mari­ne Wett­rüs­ten eigent­lich ver­lo­ren.
Die bri­ti­schen “Fürch­te­nicht­se” sind eine schwim­men­de Revo­lu­ti­on, eine völ­lig neue Kate­go­rie von Schlacht­schif­fen, die die gesam­te, sorg­sam auf­ge­bau­te deut­sche Flot­te mit einem Schlag alt aus­se­hen ließ..

Aber natür­lich gaben sie nicht auf.
Sie machen wei­ter, wol­len ihre eige­nen „Fürchtenichts“-Schiffe bau­en und legen das nächs­te Rüs­tungs­pro­gramm auf, kos­te es, was es wol­le.

Zu einem hohen Preis: 1908 betrug das Haus­halts­de­fi­zit des Kai­ser­rei­ches eine hal­be Mil­li­ar­de Mark.
Not macht bekannt­lich erfin­de­risch und so wur­den neue Geld­quel­len erschlos­sen, um die nächs­te Run­de des gigan­ti­schen Rüs­tungs­pro­gramms zu finan­zie­ren: Die eigens für den Schlacht­schiff­bau erfun­de­ne Sekt­steu­er ist uns bis heu­te erhal­ten geblie­ben.

Etwa ab dem Jahr 1909 wird „Gott stra­fe Eng­land“ zu einer all­ge­mein gebräuch­li­chen Begrü­ßungs­for­mel im deut­schen Kai­ser­reich, häu­fig gedan­ken­los dahin­ge­sagt, aber mit sehr erns­tem Hin­ter­grund. 

Die Natio­nen Euro­pas schlit­ter­ten über den Rand, hin­ein in den bro­deln­den Hexen­kes­sel des Krie­ges ohne eine Spur von Ver­ständ­nis oder Bestür­zung”, wird der bri­ti­sche Poli­ti­ker David Lloyd Geor­ge spä­ter sagen.

Die Rutsch­bahn auf deut­scher Sei­te war berei­tet.


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2015 (über­ar­bei­tet 2017)

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Ein alter Kai­ser, ein Viel­völ­ker­staat, von vie­len auch als “Völ­ker­ker­ker” bezeich­net, und jugend­li­che Ver­schwö­rer, die bereit sind, für ihre Über­zeu­gung zu mor­den. Das ist der Stoff, aus dem Alb­träu­me sind. Oder Welt­ge­schich­te. Ein Hin­ter­grund­be­richt über die Aus­lö­ser des Ers­ten Welt­krie­ges.
Sis­sis Franzl und der gro­ße Knall

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Wer war Wil­helm II.?
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Sön­ke Wort­manns span­nen­de Mini-Serie, nicht nur über den rapi­den medi­zi­ni­schen Fort­schritt zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts. Robert Koch, Rudolf Virchow, Paul Ehr­lich, Wil­helm II. und die wil­hel­mi­ni­sche Epo­che erwa­chen zum Leben — sehens­wert und infor­ma­tiv

Sön­ke Wort­mann (Regie), Cha­rité* , Uni­ver­sum Film GmbH, 2017

New York, 1900: Oscar-Preis­trä­ger Ste­ven Soder­bergh erzählt in die­ser atem­be­rau­ben­den Serie die Geschich­te des New Yor­ker Kni­cker­bo­cker Hos­pi­tals (kurz: The Knick) mit sei­ner Beleg­schaft um den geni­al-exzen­tri­schen und koka­in­süch­ti­gen Chef­chir­ur­gen Dr. Tha­cke­ry (Cli­ve Owen). Eine groß­ar­ti­ge Mischung aus Den­ver-Clan (mit erns­ten Pro­ble­men), Zeit­ge­schich­te und dem auf­re­gen­den Auf­bruch in die moder­ne Medi­zin (In man­chen Sze­nen fließt viel Blut … )
Ste­ven Soder­bergh (Regie), The Knick — Die kom­plet­te ers­te Staf­fel*, 2015, FSK 16

Chris­to­pher Clark,
Geschichts­pro­fes­sor aus Cam­bridge, über die Vor­ge­schich­te des 1. Welt­krie­ges. 900 Sei­ten, die völ­lig zurecht zum Best­sel­ler gewor­den sind — sehr lesens­wert!

Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*, Pan­the­on Ver­lag, Ver­lags­grup­pe Ran­dom House GmbH, 2015

Flo­ri­an Illies’ Meis­ter­werk
über Köni­ge und Kai­ser, Ril­ke, Kaf­ka, Sta­lin, Hit­ler und alle ande­ren, die 1913 zum Som­mer des Jahr­hun­derts wer­den lie­ßen. Her­vor­ra­gend recher­chiert und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben, ein Buch, das mit klei­nen Epi­so­den eine gan­ze Welt erklärt. Jede Sei­te lohnt sich!

Flo­ri­an Illies, 1913: Der Som­mer des Jahr­hun­derts*, S. Fischer Ver­lag GmbH, Taschen­buch, 2015

Ein span­nen­des Buch über die Zeit,
als alle, die in Euro­pa Rang und Namen hat­ten (… und etwas zu sagen …) mit­ein­an­der ver­wandt waren.
Sehr unter­halt­sam und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben — infor­ma­tiv UND lesens­wert!

Leon­hard Horow­ski, Das Euro­pa der Köni­ge*, Rowohlt Buch­ver­lag, März 2017, 1120 Sei­ten


Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Der 1. Welt­krieg: Ver­dun ist eine klei­ne Stadt ohne gro­ße Bedeu­tung. Eigent­lich ist sie kaum der Rede wert. Doch dann beginnt am Mor­gen des 21. Febru­ar 1916 die deut­sche Ope­ra­ti­on „Gericht“ und lässt die beschau­li­che Klein­stadt Ver­dun — wie 27 Jah­re spä­ter auch Sta­lin­grad — zum Syn­onym für die Grau­sam­keit und Sinn­lo­sig­keit von Krie­gen wer­den.
Vor 100 Jah­ren: Die Höl­le von Ver­dun

Die Grün­der­zeit: Es sind auf­stre­ben­de “No-Names” wie Albert Bal­lin, die den Rei­chen und Schö­nen im aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­dert das Leben schwer machen. Empor­kömm­lin­ge aus klei­nen Ver­hält­nis­sen, die eige­ne Unter­neh­men grün­den und sich mit eiser­nem Wil­len und Biss Wohl­stand und Ein­fluss erkämp­fen. Bal­lin steigt nicht nur zum Gene­ral­di­rek­tor der HAPAG auf, son­dern wird auch enger Ver­trau­ter und “Ree­der des Kai­sers”. Bei Hofe in Ber­lin sieht man das nicht ger­ne.
Die Welt ist fried­los gewor­den. Albert Bal­lin, der Ree­der des Kai­sers

Die Wei­ma­rer Repu­blik: 1923. Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno und sei­ne “Regie­rung der Wirt­schaft” ver­su­chen, die Fran­zo­sen aus dem Ruhr­ge­biet zu ver­trei­ben und las­sen dafür Geld dru­cken. Sehr viel Geld. Mit kata­stro­pha­len Fol­gen für die gebeu­tel­te Wei­ma­rer Repu­blik. Es scheint nur noch eine Fra­ge der Zeit bis zum Kol­laps zu sein. Bis zum rech­ten oder lin­ken Kol­laps, das ist auch noch nicht so ganz klar …
Vom Ruhr­kampf zum deut­schen Okto­ber

Zeit­zeu­gen: Mit dem 20. Jahr­hun­dert beginnt auch deut­sche Auto­mo­bil­ge­schich­te. Vie­le gro­ße Namen wie Wan­de­rer, Horch, NSU und ande­re kennt man heu­te gar nicht mehr. Trotz­dem lohnt sich ein Blick zurück:
Pupp­chen, Du bist mein Augen­stern. Das Geheim­nis in alten Foto­gra­fi­en

Opa twit­tert aus dem Schüt­zen­gra­ben”: Chris­ti­an Macks Fami­li­en­for­schung “Opas Krieg”
Opas Krieg

Das 19. Jahr­hun­dert: Queen Vic­to­ria drück­te dem 19. Jahr­hun­dert ihren Stem­pel auf und bestimm­te als „Groß­mutter Euro­pas“ auch die Geschich­te des 20. Ihr Leben begann mehr als beschei­den – und war eigent­lich nur eine Not­lö­sung … Die Groß­mutter Euro­pas (1)

Das Genera­tio­nen­ge­spräch über ein Jahr­hun­dert mit Dik­ta­tu­ren, Welt­krie­gen, Mil­lio­nen Kriegs­to­ten, Ver­letz­ten, Flücht­lin­gen und Ver­trie­be­nen, das uns heu­te noch in den Kno­chen steckt.
Das 20. Jahr­hun­dert

Link­emp­feh­lun­gen:

Por­trät: Wil­helm II
https://​www​.zeit​.de/​2​0​1​4​/​0​8​/​k​a​i​s​e​r​-​w​i​l​h​e​l​m​-​d​e​r​-​z​w​e​i​t​e​-​e​r​s​t​e​r​-​w​e​l​t​k​r​ieg

Blut muss flie­ßen, viel Blut. Die bizarrs­ten Zita­te von Kai­ser Wil­helm II.:
https://​www​.sued​deut​sche​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​i​e​-​b​i​z​a​r​r​s​t​e​n​-​z​i​t​a​t​e​-​v​o​n​-​k​a​i​s​e​r​-​w​i​l​h​e​l​m​-​i​i​-​b​l​u​t​-​m​u​s​s​-​f​l​i​e​s​s​e​n​-​v​i​e​l​-​b​l​u​t​-​1​.​4​7​0​594

ZDF „Wel­ten­brand“: Die Höl­le von Ver­dun
https://www.youtube.com/watch?v=–gDhlsJAQU

Bild­nach­wei­se:

Kai­ser Wil­helm II zwi­schen 1910 und 1914, E. Bie­ber, Hof­pho­to­graph, Libra­ry of Con­gress, Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on, Washing­ton, D.C. 20540 USA

Kai­ser Wil­helms II Mut­ter Vic­to­ria: „Vic­to­ria Princess Roy­al , 1857“ von Franz Xaver Win­ter­hal­ter — Win­ter­hal­ter and the courts of Euro­pe. Trans­fe­red from de:Image:Victoria Princess Roy­al , 1857.jpg. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons.

Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en

Köni­gin Vic­to­ria am Tag ihres gol­de­nen Thron­ju­bi­lä­ums 1887, von Alex­an­der Bassa­no — https://www.royalcollection.org.uk/collection/2105818/portrait-photograph-of-queen-victoria-1819–1901

„Fami­lie um 1900“ von Ori­gi­nal uploa­der was St.Krekeler at de. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons

Hoch­ru­fe anläss­lich des Geburts­tags Kai­ser Wil­helm II., 27. Janu­ar 1901, Carl Hohl. Bun­des­ar­chiv Bild 163–161, Kame­run, Dua­la, Poli­zei­trup­pe“ von Bun­des­ar­chiv, Bild 163–161 / CC-BY-SA 3.0

“Drop­ping the Pilot”. Kar­ri­ka­tur von Sir John Ten­ni­el (1820–1914), März 1890 im bri­ti­schen Maga­zin “Punch”.Lizenziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia

Die “Dre­ad­nought” (frei über­setzt: Fürch­te­nichts) war ein revo­lu­tio­när neu­es Schlacht­schiff , das sowohl in Pan­ze­rung wie auch in Bewaff­nung alles bis­her Dage­we­se­ne in den Schat­ten stellt. Das ers­te Schiff die­ser Art sticht 1906 in Eng­land in See. „HMS Dre­ad­nought 1906“ von not sta­ted — US Navy His­to­ri­cal Cen­ter Pho­to # NH 63367. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons

 


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